Ein – fast – unglaubliches Leben

Will Williams malte die Plakate der heutigen Filmklassiker

„Zeichnen ist wie Radfahren, das verlernt man nicht“, sagt Will Williams schmunzelnd. Der 90-Jährige wohnt seit etwa einem Jahr im Seniorenzentrum Renthof und erinnert sich gerne an sein unglaubliches Leben: Denn ob Marilyn Monroe, Charlie Chaplin oder John Wayne – Williams malte sie alle. In den 1950er und 60er Jahren, als die Filmplakate noch von Hand gemalt wurden, war Will Williams für viele Plakate der heutigen Filmklassiker verantwortlich.

Gelernt hatte er sein Handwerk in Italien. „Die Italiener waren damals die berühmtesten Filmplakatmaler der Welt“, ist sich Williams heute noch sicher. Er blättert in dem Buch, in dem seine Lebenserinnerungen festgehalten sind. Mein unglaubliches Leben erschien 2007 im Herbig- Verlag.

„John Wayne war eifersüchtig auf mich.“ Ein schalkhaftes Lächeln zieht sich über das Gesicht des alten Herrn, der wirklich Unglaubliches zu berichten hat. Der Westernregisseur John Ford zum Beispiel sei sehr diktatorisch mit seinen Schauspielern umgegangen, also auch mit John Wayne. Und Wayne war nicht begeistert über die Freundlichkeit, mit der Ford seinen Illustrator Will Williams behandelte, erinnert sich Williams.

Schon als Kind war Williams von der Welt des Films begeistert. In Wuppertal, wo er aufwuchs, nahm ihn die Mutter regelmäßig mit ins Kino. Williams besuchte die Kunsthochschule und wurde 1941 zur Marine eingezogen. An der Frontbühne zeichnete er Heinz Rühmann und Hans Albers. „Aufgrund der Zeichnerei war ich in der Lage, den Krieg zu überleben“, konstatiert Williams. Er geriet in amerikanische Gefangenschaft und zeichnete dort Anti-Nazi-Propaganda für die OSS, die Vorgängerin der CIA.

1959 wurde Will Williams amerikanischer Staatsbürger und lebte 30 Jahre lang in Hollywood. Der gebürtige Deutsche war der Liebling der Stars und konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Er lernte Rosita Serrano, die „chilenische Nachtigall“ kennen und lebte einige Zeit in Chile, wo er auch den Diktator Augusto Pinochet malte.

Immer wieder sinniert Williams über Namen und Orte nach: „Wie hießen sie alle noch? – Ach, weiß der Himmel!“ Er blättert in seinem Buch über sein – fast – unglaubliches Leben.

Sylvia Hubele